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Standard · BSI

BSI IT-Grundschutz — Standards 200-x und Kompendium

Aktualisiert am 4 Min. Geprüft von: Cenedril-Redaktion
BSI IT-Grundschutz

Eine Landesbehörde schreibt einen IT-Dienstleistungs-Auftrag aus. Die Vergabe-Bedingungen fordern eine Zertifizierung „nach ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz” — der formelle Name für das deutsche Pendant zur reinen ISO-Zertifizierung. Ohne Vertrautheit mit dem Bausteinkonzept, der Modellierung und der Tabelle der elementaren Gefährdungen ist die Angebots-Erstellung ein Glücksspiel.

BSI IT-Grundschutz ist die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelte Methodik für Informationssicherheit in Deutschland. Sie kombiniert ein Managementsystem (BSI Standard 200-1, kompatibel mit ISO 27001) mit einer Bausteinkonzeption: Pro Asset-Typ liefert das Kompendium konkrete Anforderungen, die nach Basis-, Standard- und erhöhter Schutzbedarfs-Stufe abgestuft sind.

Was umfasst der Standard?

IT-Grundschutz besteht aus zwei Hauptteilen: den BSI-Standards (Methodik) und dem IT-Grundschutz-Kompendium (Inhalte).

Die BSI-Standards 200-x

  • BSI 200-1 — Managementsysteme für Informationssicherheit (ISMS): Beschreibt die ISMS-Anforderungen analog zu ISO 27001 Hauptteil. Wer nach 200-2 vorgeht, erfüllt automatisch die ISO-27001-Anforderungen.
  • BSI 200-2 — IT-Grundschutz-Methodik: Definiert die drei Vorgehensweisen Basis-, Standard- und Kern-Absicherung sowie die Schritte Strukturanalyse, Schutzbedarfsfeststellung, Modellierung und Basis-Sicherheitscheck.
  • BSI 200-3 — Risikoanalyse auf der Basis von IT-Grundschutz: Methodik für Werte mit erhöhtem Schutzbedarf oder ohne passenden Baustein.
  • BSI 200-4 — Business Continuity Management: Eigener Standard für BCM, abgestimmt auf den IT-Grundschutz-Rahmen.

Die drei Vorgehensweisen

  • Basis-Absicherung: Schneller Einstieg mit den Basis-Anforderungen aller relevanten Bausteine. Ergebnis ist das BSI-Testat „Basis-Absicherung”, keine vollwertige ISO-27001-Zertifizierung.
  • Standard-Absicherung: Vollständige Umsetzung nach 200-2 — inklusive Standard-Anforderungen aller Bausteine. Voraussetzung für die Zertifizierung „ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz”.
  • Kern-Absicherung: Konzentriert sich zuerst auf die geschäftskritischen „Kronjuwelen” und erweitert später. Geeignet für Organisationen mit klar identifizierbaren Kern-Werten.

Das IT-Grundschutz-Kompendium

Das Kompendium ist die inhaltliche Substanz des IT-Grundschutzes. Es ist in zehn Schichten gegliedert:

  • ISMS — Sicherheitsmanagement
  • ORP — Organisation und Personal
  • CON — Konzepte und Vorgehensweisen
  • OPS — Betrieb
  • DER — Detektion und Reaktion
  • APP — Anwendungen
  • SYS — IT-Systeme
  • IND — Industrielle IT
  • NET — Netze und Kommunikation
  • INF — Infrastruktur

Jeder Baustein enthält Beschreibung, Gefährdungslage, Anforderungen (Basis, Standard, erhöht) und Verweise auf elementare Gefährdungen. Die Anforderungen sind konkret formuliert („Es MUSS …” für Basis, „SOLLTE …” für Standard).

Zertifizierungsprozess

Die Zertifizierung erfolgt durch BSI-zertifizierte Auditteam-Leiter aus akkreditierten Zertifizierungsstellen, im formellen Auftrag des BSI.

Phase 1 — Dokumentenprüfung. Sicherheitsrichtlinien, Strukturanalyse, Schutzbedarfsfeststellung, Modellierung, Basis-Sicherheitscheck, Risikoanalysen für hohen Schutzbedarf.

Phase 2 — Vor-Ort-Audit. Wirksamkeitsprüfung der Anforderungen aus den Bausteinen. Auditoren prüfen Stichproben aus jedem Baustein, oft mit technischen Tests (z. B. Konfigurations-Reviews).

Auditbericht und BSI-Prüfung. Der Auditbericht geht an das BSI, das die Zertifizierung formal ausstellt. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig, mit jährlichen Überwachungs-Audits.

Voraussetzungen:

  • Vollständig dokumentiertes ISMS nach BSI 200-1/200-2
  • Strukturanalyse, Schutzbedarfsfeststellung und Modellierung abgeschlossen
  • Basis-Sicherheitscheck mit dokumentierten Reife-Graden
  • Risikoanalysen nach 200-3 für hohen Schutzbedarf und Werte ohne Baustein
  • Mindestens ein interner Audit-Zyklus und Management-Review

Mapping zu anderen Standards

StandardVerhältnis zu IT-Grundschutz
ISO/IEC 27001:2022BSI 200-1/200-2 erfüllen ISO-27001-Anforderungen; Zertifikat „ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz” möglich
ISO/IEC 27002:2022Anforderungen aus IT-Grundschutz-Bausteinen mappen auf Annex-A-Kontrollen; offizielle Mapping-Tabellen vom BSI
ISO/IEC 27005:2022BSI 200-3 als deutsches Pendant zur Risikoanalyse
ISO 22301BSI 200-4 als deutscher BCM-Standard
C5 (BSI)Cloud-Anforderungen, ergänzen IT-Grundschutz für Cloud-Bereitstellungen
NIS-2-Richtlinie / KRITISIT-Grundschutz ist anerkannte Methodik zum Nachweis der Sicherheits-Anforderungen
BSI TR-03161Sichere Apps; ergänzt IT-Grundschutz für mobile Anwendungen

Implementierungs-Aufwand

KMU (10–50 Personen): 8–14 Monate Aufbau, 0,3–0,7 FTE für Betrieb. Höher als ISO 27001, weil die Detailtiefe pro Baustein größer ist.

Mittelstand (50–500 Personen): 14–24 Monate Aufbau, 1–2 FTE für Betrieb.

Behörden / KRITIS (variabel): 18–36 Monate Aufbau, dauerhaft 2–10 FTE im IT-Sicherheits-Team, ergänzt um dezentrale Verantwortliche pro Fachbereich.

Werkzeug-Empfehlung: Reine Excel-Pflege scheitert bei Standard-Absicherung spätestens ab 50 Werten oder 30+ Bausteinen. Etablierte GRC-Werkzeuge oder spezialisierte Grundschutz-Tools (z. B. verinice) sind verbreitet.

Verwandte Standards

  • ISO/IEC 27001: Internationale Alternative; Zertifikat „ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz” verbindet beide Welten.
  • ISO/IEC 27002: Liefert Umsetzungs-Hinweise zu Annex-A-Kontrollen; Mapping mit Bausteinen verfügbar.
  • ISO/IEC 27005: Internationale Risikomanagement-Methodik als Alternative zu BSI 200-3.
  • BSI C5: Cloud-Anforderungen, ergänzen IT-Grundschutz für Cloud-Themen.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Lohnt sich IT-Grundschutz für Unternehmen ohne Behörden-Bezug?

Hängt vom Anforderungs-Profil ab. Wer Lieferant für deutsche Bundesbehörden, Landesbehörden oder kritische Infrastrukturen ist, kommt um IT-Grundschutz oft nicht herum. Andere Organisationen wählen ISO 27001, weil sie international anschlussfähiger ist und weniger Detail-Vorgaben macht. Eine Doppelzertifizierung (ISO 27001 + IT-Grundschutz) ist möglich, aber selten wirtschaftlich.

Was sind die drei BSI-Standards 200-1, 200-2, 200-3?

200-1 beschreibt das Managementsystem für Informationssicherheit (vergleichbar mit ISO 27001 Hauptteil). 200-2 ist die IT-Grundschutz-Methodik mit den drei Vorgehensweisen Basis-, Standard- und Kern-Absicherung. 200-3 ist die Risikoanalyse für Sonderfälle, bei denen die Standard-Bausteine nicht ausreichen. Ergänzt werden die Standards durch das IT-Grundschutz-Kompendium mit den Bausteinen.

Wie viele Bausteine umfasst das aktuelle Kompendium?

Das IT-Grundschutz-Kompendium 2023 enthält rund 100 Bausteine, gegliedert in zehn Schichten (ISMS, ORP, CON, OPS, DER, APP, SYS, IND, NET, INF). Pro Baustein sind Basis-, Standard- und (teils) erhöhte Anforderungen formuliert. Das BSI veröffentlicht jährliche Editionen mit neuen und überarbeiteten Bausteinen.