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Annex A · Organisatorische Kontrolle

A.5.30 — IKT-Bereitschaft für Geschäftskontinuität

Aktualisiert am 3 Min. Geprüft von: Cenedril-Redaktion
A.5.30 ISO 27001ISO 27002BSI DER.4

Freitagabend: Der Datenbankserver mit den Auftragsdaten fällt aus. Der IT-Leiter startet die Wiederherstellung aus dem Backup — und stellt fest, dass die letzte erfolgreiche Sicherung 72 Stunden alt ist. Drei Tage Aufträge sind verloren. Das Backup-Monitoring hatte seit Wochen Fehler gemeldet, die niemand bearbeitet hat. A.5.30 fordert, dass die IKT-Infrastruktur auf definierte Wiederherstellungsziele vorbereitet und regelmäßig getestet wird.

Was verlangt die Norm?

  • BIA durchführen. Die Organisation identifiziert kritische Geschäftsprozesse und die unterstützenden IKT-Dienste, um RTO und RPO festzulegen.
  • Kontinuitätspläne erstellen. Für jeden kritischen IKT-Dienst existiert ein dokumentierter Plan, der beschreibt, wie die Wiederherstellung innerhalb der definierten Ziele erfolgt.
  • Redundanz und Backup sicherstellen. Die technische Infrastruktur (Backup-Systeme, redundante Komponenten, Ausweichstandorte) unterstützt die Wiederherstellungsziele.
  • Regelmäßig testen. Kontinuitätspläne werden durch Tests validiert — von einfachen Backup-Restore-Tests bis zu vollständigen Failover-Übungen.

In der Praxis

RTO/RPO pro System definieren. Basierend auf der BIA: Für jedes kritische System werden RTO und RPO festgelegt und von der Geschäftsführung genehmigt. Die Ziele bestimmen die technische Lösung: RPO 0 erfordert synchrone Replikation, RPO 24h reicht mit täglichem Backup.

Backup-Strategie an RPO anpassen. 3-2-1-Regel als Minimum: 3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 Kopie offsite. Für kritische Systeme: automatisiertes Backup-Monitoring, verschlüsselte Speicherung, regelmäßige Restore-Tests.

Disaster-Recovery-Plan pro System erstellen. Jeder Plan beschreibt: Wiederherstellungsreihenfolge, benötigte Ressourcen, verantwortliche Personen, Schritt-für-Schritt-Anleitung, Kommunikation. Der Plan muss auch ohne das betroffene System zugänglich sein (Offline-Kopie).

Jährliche DR-Tests durchführen. Teste die tatsächliche Wiederherstellung: Restore aus Backup, Failover auf Ausweichsystem, Validierung der Datenintegrität. Messe die reale Wiederherstellungszeit und vergleiche sie mit dem RTO. Abweichungen lösen Verbesserungsmaßnahmen aus.

Typische Audit-Nachweise

Auditoren erwarten bei A.5.30 typischerweise diese Nachweise:

  • Business Impact Analysis — Bewertung der kritischen Prozesse und IT-Dienste (→ BIA im Starter Kit)
  • RTO/RPO-Definitionen — genehmigte Wiederherstellungsziele pro System
  • Disaster-Recovery-Pläne — Wiederherstellungsverfahren für kritische Systeme (→ DR-Register im Starter Kit)
  • DR-Testprotokolle — Ergebnisse der Wiederherstellungstests mit Soll-Ist-Vergleich
  • Backup-Monitoring — Nachweis der laufenden Backup-Überwachung

KPI

% der kritischen IKT-Systeme mit dokumentierten und getesteten Kontinuitätsplänen

Gemessen an der BIA: Wie viele der als kritisch identifizierten Systeme haben einen dokumentierten DR-Plan, der im letzten Jahr erfolgreich getestet wurde? Ziel: 100%. Systeme ohne Plan oder ohne Test senken den Wert.

Ergänzende KPIs:

  • Anteil der DR-Tests, bei denen RTO eingehalten wurde
  • Anteil der DR-Tests, bei denen RPO eingehalten wurde
  • Anzahl der fehlgeschlagenen Backup-Jobs im letzten Monat

BSI IT-Grundschutz

A.5.30 mappt auf die BSI-Anforderungen zum Notfallmanagement:

  • DER.4 (Notfallmanagement) — fordert Notfallvorsorge für IT-Systeme, einschließlich Redundanz, Backup und Wiederherstellungspläne.
  • BSI-Standard 200-4 (Business Continuity Management) — detaillierte Methodik mit BIA, Notfallstrategie und Übungsplanung.

Verwandte Kontrollen

A.5.30 ist die technische Grundlage für Geschäftskontinuität:

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen RTO und RPO?

RTO (Recovery Time Objective) = maximale akzeptable Ausfallzeit. RPO (Recovery Point Objective) = maximaler akzeptabler Datenverlust. Beispiel: RTO 4 Stunden bedeutet, das System muss innerhalb von 4 Stunden wieder laufen. RPO 1 Stunde bedeutet, du darfst maximal die Daten der letzten Stunde verlieren.

Muss ich eine Business Impact Analysis (BIA) durchführen?

ISO 27001 verlangt sie implizit über A.5.30. Die BIA identifiziert, welche Geschäftsprozesse und IT-Dienste kritisch sind und welche Ausfallzeiten tolerierbar sind. Ohne BIA kannst du RTO und RPO nicht fundiert festlegen — und deine Kontinuitätspläne basieren auf Annahmen.

Wie oft muss ich Disaster-Recovery-Tests durchführen?

Mindestens jährlich für alle kritischen Systeme. Nach jeder wesentlichen Änderung an der Infrastruktur. Halbjährliche Tests für Systeme mit RTO unter 4 Stunden. Die Testergebnisse werden dokumentiert und Abweichungen vom Ziel-RTO/RPO lösen Maßnahmen aus.