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Starter Kit · Pläne & Berichte

Business Continuity Plan

Aktualisiert am 2 Min. Geprüft von: Cenedril-Redaktion
A.5.29A.5.30 ISO 27001ISO 22301

Ein Sicherheitsvorfall um 3 Uhr nachts, die Logistikplattform steht still, Kunden rufen an — und jetzt? Ohne dokumentierten Business Continuity Plan bleibt in der Krise nur Improvisation. Die Vorlage weiter unten gibt dir eine erprobte Struktur: von der Aktivierung über die Wiederherstellungsszenarien bis zur Rückkehr zum Normalbetrieb.

ISO 27001 (A.5.29 und A.5.30) verlangt, dass Organisationen ihre Informationssicherheitskontinuität planen, umsetzen und regelmäßig testen. ISO 22301 liefert den übergreifenden BCM-Rahmen. Unsere Vorlage verbindet beide Perspektiven in einem praxistauglichen Dokument.

Was der Plan abdeckt

Die Vorlage gliedert sich in neun Abschnitte, die den gesamten Lebenszyklus einer Betriebsunterbrechung abbilden:

Zweck und Geltungsbereich definieren, welche kritischen Prozesse der Plan schützt — die Ergebnisse deiner Business Impact Analysis (BIA) liefern die Grundlage. Ohne BIA fehlen die Prioritäten, und der Plan bleibt beliebig.

Aktivierung regelt die Trigger-Bedingungen (z. B. Systemausfall länger als 30 Minuten) und die Entscheidungsbefugnis. Wer darf den Plan aktivieren? Wer wird innerhalb von 15 Minuten benachrichtigt? Das Krisenstab-Telefon, SMS, Statusseite — alles ist vordefiniert.

Rollen und Verantwortlichkeiten werden in einer Tabelle festgelegt: CMT-Vorsitz, BCM-Leitung, ISB, IT-Betrieb, Kommunikation, DSB. Jede Rolle hat eine benannte Person und eine Stellvertretung.

Wiederherstellungsstrategien bilden das Herzstück. Die Vorlage enthält vier durchgespielte Szenarien mit konkreten Zeitschritten: Was passiert von T+0 bis T+15 Minuten? Was von T+1h bis T+4h? Welche Kapazität muss wann erreicht sein?

Abhängigkeiten und Ressourcen listen Lieferanten, Failover-Optionen und Notfall-Ausrüstung auf. Die Wiederherstellungsprozeduren verweisen auf spezifische Runbooks für technische Restore-Schritte.

Vorlage: Business Continuity Plan

Vollständige Richtlinie

Business Continuity Plan

Dokumentenkontrolle
Eigentümer: BCM-Leitung
Genehmigt von: CEO
Version: 1.3
Gültig ab: 2026-02-20
Nächste Überprüfung: 2027-02-20
Klassifizierung: Vertraulich — BCM-Team

1. Zweck und Scope

Dieser Continuity-Plan deckt die Prozesse P-01 (Sendungserfassung und -verfolgung) und P-02 (Disposition und Tourenplanung) ab, die in der BIA als kritisch mit einer MTPD von 8 bzw. 12 Stunden eingestuft sind.

Der Plan gilt für Unterbrechungen, die das Hamburger HQ, die Rotterdamer Niederlassung oder kritische Lieferanten (vorwiegend Vendor X Logistics, AWS, M365) betreffen. Personal-Notfälle werden über den HR-Continuity-Plan abgedeckt.

2. Aktivierung

2.1 Auslöserbedingungen

Die Aktivierung wird durch eine der folgenden Bedingungen ausgelöst:

  • Das Logistikportal (AST-002) ist während der Geschäftszeiten länger als 30 Minuten nicht erreichbar.
  • Das Hamburger HQ ist während der Geschäftszeiten länger als 1 Stunde nicht zugänglich.
  • Ein bestätigter Großvorfall (Schweregrad Hoch oder höher) betrifft ein kritisches System mit RTO ≤ 4 Stunden.
  • Erklärung durch das Krisenmanagement-Team (CMT).

2.2 Entscheidungsbefugnis

Die BCM-Leitung, die ISB oder die IT-Betriebsleitung dürfen die Aktivierung erklären. Die CEO wird unverzüglich informiert und hat Veto-Recht.

2.3 Benachrichtigung

Bei Aktivierung werden innerhalb von 15 Minuten folgende Benachrichtigungen ausgelöst:

  • CMT-Mitglieder über die Krisen-Telefonkette.
  • Alle betroffenen Mitarbeitenden per SMS und E-Mail.
  • Kunden über die Statusseite des Portals.
  • Schlüssellieferanten, auf die bei der Wiederherstellung gebaut wird.

3. Rollen und Verantwortlichkeiten

Rolle Name Verantwortung während der Aktivierung
CMT-Vorsitz Katharina Meier (CEO) Gesamtentscheidungen, externe Kommunikation
Stellvertretung Thomas Weissenberg (CFO) Finanzentscheidungen, Vertretung der CEO
BCM-Leitung Markus Schulz Koordination der Wiederherstellung, Lagebuch
ISB Anna Weber Sicherheitsauswirkungen, Incident-Response-Schnittstelle
IT-Betriebsleitung Markus Schulz (in Doppelfunktion) Technische Wiederherstellung der IT-Systeme
Operationsleitung Tobias Wagner Geschäftsprozess-Kontinuität
Kommunikationsleitung Sarah Lindner Interne und externe Kommunikation
DSB Julia Hoffmann DSGVO-Auswirkungen sofern relevant

4. Wiederherstellungsstrategie

4.1 Szenario A — Ausfall des Logistikportals (Vendor X Logistics)

Ziel: 30 % Sendungserfassungs-Kapazität innerhalb 2 Stunden, volle Kapazität innerhalb 4 Stunden halten.

Schritte:

  1. T+0 bis T+15 min: BCM-Leitung bestätigt Ausfall mit Anbieter. IT-Betriebsleitung eröffnet P1-Ticket beim Anbieter. CMT informiert.
  2. T+15 bis T+30 min: Fallback-Verfahren LOG-FB-01 aktivieren (manuelle Erfassung per Telefon + gemeinsames Spreadsheet). Dispositionsteam wechselt auf ausgedruckte Tourenblätter aus dem letzten Export.
  3. T+30 bis T+60 min: Kundenservice kündigt Fallback auf der Portal-Statusseite und mit vorbereiteter E-Mail-Vorlage an. Top-20-Kunden werden einzeln durch Account Manager angerufen.
  4. T+1 h bis T+2 h: Zusätzliches Personal aus dem Kundenservice in die Disposition verlagert, um 30 % Kapazität zu erreichen.
  5. T+2 h bis T+4 h: Manueller Betrieb fortführen. Anbieterstatus alle 30 Minuten überwachen. Wiederanlauf vorbereiten.
  6. Bei Wiederherstellung: Manuell erfasste Buchungen in das Portal zurückspielen. Wiederherstellungs­bestätigung an Kunden senden.

4.2 Szenario B — Hamburger HQ nicht zugänglich

Ziel: Kritische Operationen innerhalb 4 Stunden nach Rotterdam verlagern.

Schritte:

  1. T+0 bis T+15 min: CMT aktiviert Verlagerung. Niederlassung Rotterdam wird informiert.
  2. T+15 min bis T+1 h: Kernpersonal (Disponenten, IT-Rufbereitschaft, BCM-Leitung) verlagert sich nach Rotterdam oder arbeitet aus dem Homeoffice mit vorbereiteten Laptops.
  3. T+1 h bis T+4 h: Rotterdam stellt 6 Hot Desks + Besprechungsraum für das CMT zur Verfügung. VPN + VoIP auf Rotterdam umgeleitet.
  4. Ab T+4 h: HQ-Status weiter beobachten. Rückkehr planen.

4.3 Szenario C — M365-Tenant-Ausfall

Ziel: Interne und externe Kommunikation über alternative Kanäle aufrechterhalten.

Schritte:

  1. T+0 bis T+15 min: Ausfall mit Microsoft Service Health bestätigen. CMT informieren.
  2. T+15 min: Interne Kommunikation auf Signal (vorbereitete Krisengruppe) und private Telefonnummern umstellen.
  3. T+30 min: Kundenkommunikation über Portal-Statusseite und anbieterseitig gehostete Ausweich-E-Mail (crisis@nordwind-logistics.net).
  4. Ab T+1 h: Kritische Dokumente über Offline-Kopie des Krisenordners und tägliche Exporte wichtiger M365-Daten zugänglich.

4.4 Szenario D — Ransomware oder größerer Cybervorfall

Wird gemeinsam mit dem Incident Response Plan (PROC-001) gesteuert. BCM-Aktivierung konzentriert sich auf Geschäftskontinuität, Incident Response auf Eindämmung und Bereinigung.

5. Verfügbare Ressourcen bei Aktivierung

  • Krisenraum: Hamburg HQ, Raum Nordsee. Ausweich: Rotterdam, Raum Haven.
  • Krisenordner: Gedruckte Exemplare in HQ, Rotterdam und bei der BCM-Leitung zu Hause.
  • Fallback-Kit: 6 vorkonfigurierte Laptops, 2 × 4G-Router, 2 × Satellitentelefone, im HR-Safe gelagert.
  • Krisenkommunikations-Templates: siehe Dokument „Krisenkommunikations-Template".
  • Offline-Kontaktlisten: Mitarbeitende, Lieferanten, Kunden (Top 50), Behörden.
  • Alternative E-Mail: crisis@nordwind-logistics.net bei separatem Anbieter gehostet.

6. Abhängigkeiten

Abhängigkeit Anbieter Failover
Logistikportal Vendor X Logistics Manuelles Fallback (LOG-FB-01)
E-Mail und Zusammenarbeit Microsoft M365 Signal + Ausweich-E-Mail
Cloud-Infrastruktur AWS eu-central-1 Cross-Region Read Replica
Konnektivität Primärer Glasfaser-ISP 4G-Mobilfunk-Backup-Router
Strom Netz USV (30 min) + Generator (24 h)
Dispositionswissen 4 Disponenten Quergeschultes Kundenservice-Personal

7. Wiederherstellungsverfahren

Der Plan verweist auf folgende Runbooks:

  • RB-DB-001 — Wiederherstellung Kundendatenbank
  • RB-SAAS-002 — Logistikportal-Failover und -Wiederherstellung
  • RB-AD-001 — Domain-Controller-Failover
  • RB-ERP-001 — ERP-Failover
  • LOG-FB-01 — Manuelles Logistik-Fallback-Verfahren

8. Tests und Überprüfung

  • Tabletop-Übung: Zweimal jährlich (zuletzt: 2025-11-10, nächste: 2026-05-20).
  • Teilsimulation: Jährlich (zuletzt: 2025-09-15 — Portal-Failover).
  • Vollständiger Durchlauf: Jährlich.
  • Plan-Review: Jährlich oder nach jeder wesentlichen Änderung bei Personen, Prozessen, Technik oder Lieferanten.

9. Rückkehr zum Normalbetrieb

Sobald der auslösende Vorfall behoben ist, bewertet die BCM-Leitung die Bereitschaft zur Rückkehr:

  • Systeme sind betriebsbereit und verifiziert.
  • Datenintegrität ist validiert.
  • Sicherheitsniveau ist wiederhergestellt (durch die ISB bestätigt).
  • Mitarbeitende sind über das Rückkehr­vorgehen informiert.

Die CEO erklärt formal die Rückkehr zum Normalbetrieb. Lessons Learned werden innerhalb von 10 Arbeitstagen in einem Post-Incident-Review erfasst und in das CAPA-Register überführt.


Genehmigt von Katharina Meier (CEO) am 2026-02-20.

Quellen

Abgedeckte ISO-27001-Kontrollen

Häufig gestellte Fragen

Braucht jede Organisation einen eigenen Business Continuity Plan?

Ja — sobald dein ISMS kritische Prozesse identifiziert hat, verlangt ISO 27001 (A.5.29) dokumentierte Kontinuitätspläne für diese Prozesse. Die Granularität hängt von der Organisationsgröße ab: Kleine Unternehmen kommen mit einem einzigen Plan aus, größere brauchen einen pro kritischem Geschäftsbereich.

Was ist der Unterschied zwischen BCP und Disaster Recovery Plan?

Der Business Continuity Plan deckt den gesamten Geschäftsbetrieb ab — Prozesse, Personal, Kommunikation, Ausweichstandorte. Der Disaster Recovery Plan konzentriert sich auf die technische Wiederherstellung von IT-Systemen und Daten. Beide ergänzen sich: Der BCP referenziert den DRP für die technische Seite.

Wie oft muss der Plan getestet werden?

ISO 27001 A.5.29 verlangt regelmäßige Tests. In der Praxis bedeutet das: mindestens ein Tabletop-Exercise pro Jahr, ergänzt durch technische Restore-Tests und — idealerweise — eine Teil-Simulation. Jeder Test erzeugt Erkenntnisse, die in den Plan zurückfließen.