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Annex A · Organisatorische Kontrolle

A.5.22 — Überwachung von Lieferantendiensten

Aktualisiert am 3 Min. Geprüft von: Cenedril-Redaktion
A.5.22 ISO 27001ISO 27002BSI OPS.2.3

Du hast Sicherheitsanforderungen an deinen Cloud-Anbieter definiert (A.5.19), vertraglich verankert (A.5.20) und die Lieferkette geprüft (A.5.21). Jetzt kommt der Teil, den viele Organisationen vergessen: die laufende Überwachung. A.5.22 stellt sicher, dass vereinbarte Sicherheitsmaßnahmen auch dauerhaft eingehalten werden — und dass Änderungen beim Lieferanten deine Sicherheit nicht gefährden.

Was verlangt die Norm?

  • Leistung regelmäßig überwachen. Die Organisation überprüft regelmäßig, ob Lieferanten die vereinbarten Sicherheitsanforderungen und Service-Levels einhalten.
  • Änderungen managen. Änderungen in den Diensten des Lieferanten (neue Technologien, neue Subunternehmer, Standortwechsel) werden bewertet und genehmigt.
  • Vorfälle auswerten. Sicherheitsvorfälle beim Lieferanten werden dokumentiert, analysiert und mit Maßnahmen hinterlegt.
  • Eskalation definieren. Bei Nicht-Einhaltung greifen definierte Eskalationsstufen bis hin zur Vertragskündigung.

In der Praxis

Überwachungsplan im Lieferantenregister verankern. Pro Lieferant: Überwachungsfrequenz, nächster Review-Termin, verantwortliche Person, Prüfumfang. Das Lieferantenregister wird zum Steuerungsinstrument für die laufende Überwachung.

SLA-Monitoring implementieren. Für Cloud- und IT-Dienste: Verfügbarkeits-Monitoring, Reaktionszeit-Tracking, Incident-Reporting. Die Daten fließen in die periodische Bewertung ein. Achte darauf, dass du die SLA-Einhaltung unabhängig vom Lieferanten messen kannst.

Änderungsbenachrichtigungen einfordern. Vereinbare vertraglich, dass der Lieferant dich über wesentliche Änderungen vorab informiert: neue Subunternehmer, Rechenzentrum-Wechsel, technologische Umstellungen, Personaländerungen im Sicherheitsteam.

Eskalationsprozess dokumentieren. Definiere klar: Ab welchem Schweregrad wird eskaliert? Wer entscheidet? Welche Maßnahmen stehen zur Verfügung? Der Eskalationsprozess muss vor dem Ernstfall stehen.

Typische Audit-Nachweise

Auditoren erwarten bei A.5.22 typischerweise diese Nachweise:

  • Überwachungsplan — dokumentierte Frequenz und Umfang pro Lieferant (→ Lieferantenregister im Starter Kit)
  • Review-Protokolle — Ergebnisse der periodischen Lieferanten-Reviews
  • SLA-Berichte — Kennzahlen zur Servicequalität und Sicherheit
  • Vorfallberichte — Dokumentation von Sicherheitsvorfällen beim Lieferanten
  • Maßnahmenverfolgung — Status offener Maßnahmen aus Reviews

KPI

% der Lieferanten mit planmäßig durchgeführten IS-Leistungsüberprüfungen

Gemessen am Überwachungsplan: Wie viele der fälligen Reviews wurden tatsächlich durchgeführt? Ziel: 100%. Überfällige Reviews deuten auf einen nicht funktionierenden Prozess hin.

Ergänzende KPIs:

  • Anteil der Lieferanten mit dokumentierten SLA-Ergebnissen
  • Anzahl der offenen Maßnahmen aus Lieferanten-Reviews
  • Anzahl der Sicherheitsvorfälle bei Lieferanten pro Jahr

BSI IT-Grundschutz

A.5.22 mappt auf die BSI-Anforderungen zur laufenden Überwachung:

  • OPS.2.3.A18 (Kontrolle der Leistungserbringung) — verlangt regelmäßige Überprüfung, ob der Dienstleister die vereinbarten Sicherheitsanforderungen einhält.
  • OPS.3.2.A9 (Kontrolle und Überwachung des Betriebs) — laufende Kontrolle der Betriebsqualität und Sicherheit bei externen Betreibern.

Verwandte Kontrollen

A.5.22 schließt den Lieferanten-Lebenszyklus:

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was genau überwache ich bei Lieferanten?

Zwei Dimensionen: Servicequalität (SLA-Einhaltung, Verfügbarkeit, Reaktionszeiten) und Sicherheit (Einhaltung der vereinbarten IS-Anforderungen, Vorfälle beim Lieferanten, Zertifizierungsstatus). Beides fließt in die periodische Bewertung ein.

Wie oft muss ich Lieferanten überwachen?

Kritische Lieferanten: quartalsweise Review-Meetings. Hoch-Risiko: halbjährlich. Standard: jährlich. Anlassbezogen bei jedem bekannten Sicherheitsvorfall des Lieferanten. Die Frequenz sollte im Lieferantenregister dokumentiert sein.

Was mache ich, wenn ein Lieferant die Anforderungen wiederholt nicht erfüllt?

Eskalationsstufen: 1) Formale Mängelanzeige mit Frist. 2) Vertragsstrafe (falls vereinbart). 3) Einschränkung des Zugangs zu sensiblen Daten. 4) Vertragskündigung und Migration. Dokumentiere jeden Schritt — das schützt dich rechtlich und liefert Audit-Nachweise.