Zum Hauptinhalt springen
Annex A · Organisatorische Kontrolle

A.5.32 — Geistige Eigentumsrechte

Aktualisiert am 3 Min. Geprüft von: Cenedril-Redaktion
A.5.32 ISO 27001ISO 27002BSI ORP.5

Ein mittelständisches Unternehmen setzt eine Datenbank-Software auf 15 Servern ein — lizenziert für 10. Der Hersteller führt ein Lizenz-Audit durch. Die Nachforderung: 120.000 Euro plus Vertragsstrafe. A.5.32 fordert, dass die Organisation geistiges Eigentum schützt und die Einhaltung von Lizenzvereinbarungen sicherstellt.

Was verlangt die Norm?

  • IP-Richtlinie erstellen. Die Organisation dokumentiert Verfahren zum Schutz geistigen Eigentums und zur Einhaltung von Lizenzvereinbarungen.
  • Software legal beschaffen. Software wird nur aus legalen Quellen beschafft. Die Einhaltung der Lizenzbedingungen wird überwacht.
  • Lizenzregister führen. Ein aktuelles Register aller Softwarelizenzen mit Lizenztyp, Anzahl, Nutzung und Ablaufdatum.
  • Nutzungsbeschränkungen kommunizieren. Beschäftigte kennen die Regeln: keine illegale Software, keine Urheberrechtsverletzungen, keine unautorisierte Nutzung externer Inhalte.

In der Praxis

Lizenzregister aufbauen. Pro Software: Hersteller, Produkt, Lizenztyp (Named User, Concurrent, Subscription), gekaufte Anzahl, installierte Anzahl, Ablaufdatum, Vertragsnummer. Abgleich: installiert vs. lizenziert — Differenzen sofort klären.

Open-Source-Compliance sicherstellen. Führe ein Open-Source-Inventar. Prüfe die Lizenzbedingungen: Muss der Quellcode offengelegt werden (Copyleft)? Gibt es Patent-Klauseln? Sind die Lizenzen kompatibel? Nutze SBOM-Tools für die automatische Erfassung.

Eigenes geistiges Eigentum schützen. Verträge mit Mitarbeitenden und Dienstleistern enthalten Klauseln zu IP-Rechten: Wem gehört der Code? Wer darf ihn nutzen? Welche Geheimhaltungspflichten gelten? Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDAs) für alle Personen mit Zugang zu proprietärem Know-how.

Schulung zur IP-Compliance. Beschäftigte müssen wissen: keine Installation nicht genehmigter Software, kein Download urheberrechtlich geschützter Inhalte, keine Nutzung privater Lizenzen für Firmenzwecke. Diese Regeln gehören in die Nutzungsrichtlinie (A.5.10).

Typische Audit-Nachweise

Auditoren erwarten bei A.5.32 typischerweise diese Nachweise:

  • Lizenzregister — Übersicht aller Softwarelizenzen mit Soll-Ist-Abgleich
  • IP-Richtlinie — dokumentierte Verfahren zum Schutz geistigen Eigentums
  • Open-Source-Inventar — Aufstellung genutzter Open-Source-Komponenten mit Lizenzen
  • Beschaffungsverfahren — Nachweis, dass Software nur aus legalen Quellen beschafft wird
  • NDA/Vertraulichkeitsvereinbarungen — für Personen mit Zugang zu proprietärem Know-how

KPI

% der geistigen Eigentumswerte mit dokumentierten Schutzmaßnahmen

Gemessen am Inventar aller IP-relevanten Assets: Software, Patente, proprietärer Code, Geschäftsgeheimnisse. Ziel: 100% mit dokumentiertem Schutzstatus. Der häufigste blinde Fleck: Open-Source-Komponenten in Eigenentwicklungen.

Ergänzende KPIs:

  • Anteil der Softwareinstallationen mit gültiger Lizenz (Compliance-Rate)
  • Anzahl der offenen Lizenzverstöße
  • Aktualität des Lizenzregisters (letztes Review-Datum)

BSI IT-Grundschutz

A.5.32 mappt auf die BSI-Anforderungen zum Umgang mit Software:

  • ORP.5 (Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen) — rechtliche Anforderungen an die Nutzung von Software und den Schutz geistigen Eigentums.
  • APP.6.A9 (Lizenzmanagement) — verlangt ein Lizenzmanagement für alle eingesetzten Softwareprodukte.
  • APP.3.2.A7 (Urheberrecht) — Beachtung des Urheberrechts bei der Nutzung von Webanwendungen und -diensten.

Verwandte Kontrollen

A.5.32 ergänzt den Compliance-Block:

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was fällt unter geistiges Eigentum im Kontext von A.5.32?

Software-Lizenzen (kommerziell und Open Source), proprietäre Datenbanken, Geschäftsgeheimnisse, Patente, Marken, Urheberrechte an Dokumenten und Code, sowie Inhalte aus externen Quellen (Fotos, Texte, Daten). Die häufigsten Compliance-Risiken betreffen Software-Lizenzen und Open-Source-Komponenten.

Wie manage ich Open-Source-Lizenzen?

Führe ein Open-Source-Inventar: Welche Bibliotheken nutzt du? Unter welcher Lizenz (MIT, Apache, GPL, AGPL)? Copyleft-Lizenzen (GPL, AGPL) haben besondere Anforderungen an die Weitergabe. Nutze SBOM-Tools (A.5.21), um Abhängigkeiten automatisch zu erfassen und Lizenzkonflikte zu identifizieren.

Was passiert bei einer Software-Lizenzprüfung?

Software-Hersteller führen Lizenz-Audits durch (vertraglich meist vorbehalten). Sie vergleichen die lizenzierten mit den tatsächlich installierten Instanzen. Überlizenzierung kostet Geld, Unterlizenzierung kostet Nachzahlung plus Vertragsstrafe. Ein aktuelles Software-Inventar ist die beste Vorbereitung.